Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gelöst, und für die kirchlichen Satzungen sind sie schon tot, weil sie von Rechts wegen davon befreit sind." (13. These)

Panorama

Donnerstag, 12. Januar 2017

Helmut Liersch: Reformation – Warum überhaupt? Kirche als Lebensraum um 1500

Die Reformation im 16. Jahrhundert wurde oft dargestellt als ein radikaler Umbruch in Frömmigkeit und Theologie. Tatsächlich war die Christenheit wohl nie so fromm wie um 1500. Davon zeugen u.a. das entwickelte Stiftungswesen und die ausgiebige Wallfahrts-Kultur. Vieles, was später als typische Taten Luthers verbucht wurde, war bereits vor ihm da, etwa die Forderung nach einem Konzil und die Bibel in deutscher Sprache. Gleichwohl gab es heftige antiklerikale Kritik.

An ausgewählten Beispielen und Illustrationen soll im Vortrag die Kirche als Lebensraum unmittelbar vor dem Auftreten Luthers erkennbar werden. Ansatzpunkte der Kritik und Auslöser der reformatorischen Bewegung werden angesprochen.

Helmut Liersch studierte Theologie und war von 1975 bis 1978 Dozent an der Theologischen Akademie Celle, anschließend 16 Jahre lang Pfarrer in Groß Elbe, Gustedt und Klein Elbe, von 1994 bis 2000 Direktor des Predigerseminars der Braunschweigischen Landeskirche, 2000 bis 2011 Propst der Propstei Goslar und Pfarrer der Marktgemeinde. Seit 2000 betreut er die Marktkirchen-Bibliothek Goslar.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Helmut Liersch: Reformation – Was war neu? Erkenntnis durch Rückkehr zu den Quellen

Luthers Thesen gegen den Ablassverkauf waren noch keine spezifisch „reformatorische“ Äußerung. Der Vortrag geht daher der Frage nach, welche „Zündfunken“ es zu Luthers Zeit gegeben hat, welche geistesgeschichtlichen und politischen Voraussetzungen vorlagen, was den Kern der Reformation ausmacht und ihr die unvermutete Dynamik verlieh. Zeitgenössische Quellen und Illustrationen sollen helfen, dem Geschehen vor 500 Jahren näher zu kommen.

Der Vortrag schließt an die Veranstaltung vom 12. Januar an, kann aber unabhängig davon besucht werden.

Donnerstag, 6. April 2017

Dr. Friedrich Seven: Klöster als strategische Gefahr - Bürger Goslars zerstören Klöster vor der Stadt

Goslar sah sich durch die Übergriffe des Herzog Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig Wolfenbüttel bedroht, weswegen eine Volksmenge am 22. Juli 1527 Klöster und Kapellen vor der Stadt zerstörte, um dem Herzog damit die Möglichkeit zu nehmen, von diesen befestigten Anlagen aus die Stadt zu belagern.

Damit aber gaben sie Heinrich eine willkommene Gelegenheit, die Stadt beim Kaiser wegen Landfriedensbruch zu verklagen und verschlechterten so die rechtliche Position Goslars im Streit mit dem Herzog um das Berg-und Hüttenwesen am Rammelsberg. Der ganze geschichtliche Vorgang spiegelt die Probleme der Stadtregierung, gegen die verarmte und aufgebrachte Bürgerschaft eine gemäßigte und kaisertreue Reichspolitik durchzuhalten.

Dr. theol. Friedrich Seven studierte in Göttingen Evangelische Theologie, wirkte am Editionsprojekt „Sehling, die evangelische Kirchenordnung des 16. Jahrhunderts“ mit und verfasste seither verschiedenen Publikationen u.a. zur Reformation in Goslar. Seit 1983 war er bis zu seiner Pensionierung Pastor in Scharzfeld am Harz.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Dr. Friedrich Seven: ....um Macht und Sakrament - ein Abendmahlstreit in Goslar

Gestritten wurde in den Jahren 1530/31 um die reale Gegenwart Christi im Abendmahl zwischen Nikolaus von Amsdorf und einigen Goslarer Geistlichen, die mit den kirchlichen auch politische Veränderungen im Sinn hatten. Nicht zuletzt wegen dieser "Aufrührer" hatte der Rat Amsdorf gebeten, die Reformation in der Reichsstadt einzuführen, da der renommierte Theologe und Lutherfreund dafür garantieren sollte, dass die von Luther proklamierte "Freiheit eines Christenmenschen" nicht als Erweiterung innerstädtischer Freiheiten ausgelegt würde. So wurde beim Abendmahl nicht nur die rechte Deutung der Einsetzungsworte, sondern vor allem um die Deutungskompetenz gestritten, und zwar so erbittert, dass die Gegner Amsdorfs die Stadt verlassen mussten.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Dr. Friedrich Seven: Von der Berg-zur Religionssache - Goslars Weg in den Braunschweigischen Krieg

Mit Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig Wolfenbüttel stand der Stadt Goslar im Streit um das Berg-und Hüttenwesen am Rammelsberg nicht nur ein skrupelloser Machtmensch, sondern auch ein entschiedener Gegner der Reformation gegenüber. So konnten Goslars Entwicklung zu einem evangelischen Kirchenwesen und auch der endgültige Beitritt Goslars zum Lager der Protestanten nicht ohne Einfluss auf den Streit um den Rammelsberg bleiben. Die Stadt sah in den protestantischen Ständen nicht nur Religionsverwandte, sondern auch mögliche Verbündete gegen Heinrich. Nur dauerte es eine lange Zeit und erforderte großes juristisches Geschick, bis es endlich dazu kam, dass die Religionsverwandten die Berg- auch als Religionssache anerkannten. Im Braunschweigischen Krieg 1542 kämpften sie dann für und mit Goslar erfolgreich gegen Heinrich, der für kurze Zeit sogar sein Land verlassen musste.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Prof. Henrike Lähnemann
Christ is upstande. Vorreformatorische Lieder im Enchiridion von 1524

Vom vorreformatorischen Liedgut aus den norddeutschen Frauenklöstern zu dem in der Marktkirchenbibliothek aufbewahrten Enchiridion, dem ersten lutherischen Gesangbuch.

Frau Prof. Lähnemann, geboren 1968 in Münster, wuchs in Lüneburg und Nürnberg auf, und studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie in Bamberg, Edinburgh, Berlin und Göttingen. Nach ihrer Promotion über spätmittelalterliche deutsche Lehrdichtung an der Universität Bamberg arbeitete sie an der Universität Tübingen, wo sie sich mit einer Untersuchung über das Buch Judith in der deutschen Literatur des Mittelalters habilitierte. Seit 2006 hat sie den Lehrstuhl fur Germanistik an der Newcastle University inne; 2015 übernahm sie den Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik an der University of Oxford. Lähnemanns gegenwärtige Forschung beschäftigt sich mit Andachtstexten aus Norddeutschland, insbesondere mit Handschriften aus dem Kloster Medingen.

Buchprojekt
Dr. Friedrich Seven: Fahret also fort in Geduld…“
Goslar und die Reformation

Die Freie Reichsstadt Goslar gehört zu jenen Orten, in denen die Gedanken der Reformation frühzeitig Zuspruch fanden, aber auch konfliktreich innerhalb der dem katholischen Kaiser verpflichteten Stadtgesellschaft ausgetragen wurden. Überlagert und verschärft wurden die Spannungen durch das Ringen der Stadt mit dem Braunschweiger Herzogshaus um die Rechte an der Ausbeutung des Rammelsberges. Durch den Anschluss an den evangelischen Schmalkaldischen Bund versuchte die Stadt, ihre Position gegenüber Herzog Heinrich dem Jüngeren zu verbessern. Mit dem Sieg der katholischen Seite musste die Stadt kapitulieren und 1552 alle Forderungen des Herzogs im Riechenberger Vertrag akzeptieren.

Als Bearbeiter der Geschichte der Reformation in der Reichsstadt Goslar konnte der Geschichtsverein Goslar den Experten Dr. theol. Friedrich Seven gewinnen. Die Geschichte der Reformation in der Reichsstadt Goslar, die 2017 als Buch unter dem o.a. Titel erscheinen wird, soll die folgenden Kapitel umfassen:

I. Die besonderen Voraussetzungen der Reformation in Goslar
II. Die Anfänge der Reformation Goslar (1525)
III. Die Einführung der Reformation in Goslar
IV. Spannungen zwischen Rat und Gemeinden
V. Goslars Eintritt in den Schmalkaldischen Bund und die Kirchenordnung von 1531
VI. Die Konsolidierung der Reformation unter Superintendent Eberhard Widensee
und Goslars Position im Schmalkaldischen Bund
VII. Verlust des Rammelsberges und Abschluss des Reformationswerkes (bis 1595)
VIII. Die Reformationsgeschichte Goslars als ein kirchengeschichtlicher Beitrag zur Stadtgeschichte und zum Verhältnis von Stadt und Reformation

 

Die Veranstaltungen als Dokument downloaden:
Teil 1
Teil 2