Die 95 Thesen von Martin Luther:
"So will er viel mehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sinnen. " (74. These)

Panorama

Bischöfe aus den Partnerkirchen der braunschweigischen Landeskirche trafen sich in Goslar

Hochkarätiger Besuch aus der Kirchenwelt weilte zwei Tage in der Kaiserstadt Goslar. Die Gäste kamen aus den Partnerkirchen der Landeskirche Braunschweig, aus Namibia, England, Japan, Indien und Tschechien. Außerdem war es durch Vermittlung von Oberkirchenrat Norbert Denecke, er ist Geschäftsführer des deutschen Nationalkomitees im Lutherischen Weltbund, gelungen, den Generalsekretär des Weltbundes, Martin Junge aus Chile nach Goslar zu holen. Insgesamt wurde mit Beteiligung der Propstei Goslar, der Stadt Goslar, des Ratsgymnasiums, der Landeskirche Braunschweig, des Lutherischen Weltbundes und der Stiftung ökumenisches Lernen ein kompaktes Veranstaltungsbündel geschnürt. Es ging um die Verbindungen von Reformation und Bildung, von Schule und Kirche, von Kirche und Politik.

Vor knapp 500 Jahren veröffentliche Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Er wollte Reformen, und diese führten ungewollt zur Kirchenspaltung. Die Gäste aus aller Welt wollten nun zeigen, welchen Einfluss die Reformation bis heute hat.

Erste Station am ersten Tag des zweitägigen Treffens war das Ratsgymnasium, um 15.28 Uhr, angelehnt an das Gründungsdatum der Schule, begrüßten Schulleiter Hans-Peter Dress und Propst Thomas Gunkel die Gäste, darunter auch Landesbischof Weber. „In unserer Stadt löste die Reformationszeit – wie auch in anderen Orten – zunächst nur Kampf und Unruhe aus. Aber die Sehnsucht nach Erneuerung befreite das Denken, die Hoffnung auf einen Neuanfang motivierte zum Handeln“, so der Schulleiter. Er verwies auf den Reformator Nicolaus von Amsdorf, mit dessen Hilfe in Goslar die Reformation beginnen konnte und die damalige „Ratsschule“ gegründet wurde.

Die zweite Station war die katholische Jacobikirche, laut dem dortigen Pfarrer Dirk Jenssen ein denkwürdiger Ort gerade in Bezug auf die Reformation. Dort wurde damals das ers­te Mal evangelisch gepredigt, heute ist die Kirche aber wieder katholisch. Weiter ging es durch die Fußgängerzone, bei herrlichem Sonnenschein, zum Marktplatz an den Brunnen und zum Rathaus. In der Marktkirche machte Oberbürgermeister Oliver Junk an der Ratskerze halt. Ratsfrau Dorothee Prüssner entzündete die Kerze, seit 2006 wird sie jedes Mal angezündet, wenn der Rat tagt. Im November wird auch immer der gesamte Rat zu einem Ratsgottesdienst eingeladen, eine direkte Verbindung zwischen Kirche und der Politik. Ein Festgottesdienst mit Landesbischof Weber schloss den ersten Tag ab.

Der zweite Tag begann mit einem Statement vom Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Pfarrer Martin Junge, für Kirche und Glaube und reformatorisches Gedankengut in der Aula des Ratsgymnasiums. Er hob nochmals die bis heute wirkenden Impulse der Reformation für Bildung, Politik und Kultur hervor. Von Deutschland aus habe die Reformation weltweit Veränderungen ausgelöst. Neue reformatorische Impulse strahlten inzwischen auch von außen auf das Ursprungsland zurück. Für diese gelte es, im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 offen zu sein.

Im Anschluss beteiligten sich Schüler und Lehrer des Ratsgymnasiums am Baumprojekt der Lutherstadt Wittenberg. Sie übernahmen nicht nur die Patenschaft über einen von 500 dort angepflanzten Bäumen, sondern auch auf dem Schulhof wurde ein eigener Lutherbaum im großen Rahmen gepflanzt. Alle Gäste des zweitägigen Besuchsprogrammes waren bei der Pflanzaktion dabei. Zum Abschluss wurde ein weiterer Luther- Baum an der Marktkirche gepflanzt. Auch die Gemeinde ist Pate in Wittenberg.

– Der „Lutherische Weltbund“ (LWB), ist eine Kirchengemeinschaft von 142 lutherischen Kirchen der Welt. In 79 Ländern gehören über 700 Millionen lutherische Christen zu den Mitgliederkirchen des LWB. In Deutschland haben sich elf Kirchen zum Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) zusammengeschlossen, das den LWB bei seiner Arbeit in Deutschland unterstützt und eng mit der vereinigten Evangelischen Kirche Deutschland (VELKD) zusammenarbeitet. In der Lutherdekade „Luther 2017“ unterstützen DNK und VELK das LWB-Zentrum in Wittenberg.

Besuch vom Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge

Foto: Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (von links) gemeinsam mit LWB-Generalsekretär Martin Junge, Landesbischof Friedrich Weber, Oberlandeskirchentrat Thomas Hofer und Goslars Propst Thomas Gunkel in der Marktkirche, die eine der vielen Stationen des zweitägigen Treffens war.

Text und Foto: Helmut Hohaus