Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Daher bleibt die Strafe, solange der Haß gegen sich selbst - das ist die wahre Herzensbuße - bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich." (4. These)

Panorama

Philipp Melanchthon

„Ich danke Martin für die Rückkehr zum Wort der Bibel“

Einer, der Luther lange treu begleitet hat, war Philipp Melanchthon. Sicher nicht immer einig mit Luther, war er doch einer von denen, die seine Theologie Luthers verstanden haben. Er war es, der im Augsburger Bekenntnis erstmals klar die Position der Reformation formulierte. Ihn wollen wir als letzten der Zeitzeugen hören.

Seit er tot ist, scheinen sie nach allen Seiten auseinanderzulaufen. Lutheraner, Humanisten, Wiedertäufer, Schwärmer. Was geblieben ist, fragen Sie mich? Ich – trotz aller Meinungsverschiedenheiten – sage ihm einen dreifachen Dank:

Ich danke ihm für die Rückkehr zur Schrift, zum Wort. Dass er uns zurückgeführt hat – nicht zu den Wörtern, aber – zum Wort der Bibel. Dass er uns gezeigt hat, nicht die Gesetze und Autoritäten der Kirche sind maßgebend, sondern allein die Schrift. Sie immer neu in das Leben jedes Menschen hineingesagt werden. Und ich frage euch, liebe Schwestern und Brüder so viele Jahrhunderte nach Martin: Lebt ihr nicht in einer Zeit der Wörter, der Beliebigkeit und der Geschwätzigkeit? Habt ihr nicht manchmal Sehnsucht, in dem Stimmengewirr wieder Gottes Stimme zu hören – zu vernehmen, was sie uns, nein, dir und dir und dir sagen will?

In der Bibel will uns Gott begegnen – persönlich. Sie spricht zu uns durch Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Lasst uns die Tragfähigkeit dieser Erfahrungen für unser Leben erproben! Lasst uns den Zuspruch von Gottes Liebe annehmen, den wir dort hören können! Und lasst uns auch dem Anspruch auf unser Leben uns stellen und ihm antworten. Ja, ich danke Martinus, auch in eurem Namen, für die Rückkehr zum Wort. Weiter danke ich ihm dafür, dass er uns zu Christus zurückgeführt hat. Nicht Mittler helfen uns zu Gott, sondern Jesus Christus. Er zeigt uns, wie Gott ist: nämlich voraussetzungslos liebend, und was er will: nämlich uns um jeden Preis mit sich versöhnen. In niemandem finden wir diese Gewissheit so wie in Jesus Christus. Denn zu ihm hat sich Gott am Kreuz bekannt. Mit ihm hat er die Dunkelheit der Welt durchschritten.

Was meint ihr, liebe Schwestern und Brüder: Wenn wir die Stimme Jesu Christi, des irdischen und des auferstandenen wieder vernähmen? Wenn wir in ihm das Wesen des liebenden, mitleidenden und heilenden Gottes fänden und glaubten? Ja, ich danke Martin, dass er uns zu Jesus Christus zurückgeführt hat. Und ihm danke ich Martinus schließlich dafür, dass er uns zum Glauben zurückgeführt hat. Dass er die Gnade Gottes wieder sichtbar gemacht hat als den einzigen Grund unseres Lebens und unserer Versöhnung, als eine frei geschenkte Gnade, als ein „Ja“ ohne Wenn und Aber.

Was denken Sie, liebe Schwestern und Brüder: Mir scheint, die Menschen am Beginn des dritten Jahrtausends leben in einer Zeit, die Leistung und Erfolg zu Götzen macht. Aber dein Erfolg lässt Gott kalt, er will deine Hingabe, gerade wenn du hilflos bist. deine absoluten Gewissheiten lassen ihn schaudern; lieber hört er deine Zweifel. Ihn interessiert nicht so sehr deine Leistung, ihn interessiert vor allem deine Liebe.

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