Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Deshalb irren jene Ablaßprediger, die sagen, daß durch die Ablässe des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los werde." (21. These)

Panorama

Thomas Müntzer

"Hast du denn vollkommen vergessen, wie es dem Volk geht?"

Wir wissen, dass die Reformation auch Kriege auslöste. Schon zu Luthers Zeiten die Bauernkriege. Einer der Weggefährten Luthers, Thomas Müntzer, wurde vom Reformator zum politischen Bauernführer. Luther geriet in eine Zwickmühle: Einerseits gebührte der Obrigkeit Gehorsam, andererseits machte das Evangelium frei. Thomas Müntzer wirft Luther diesen Zwiespalt vor.

Ach, Martinus, warum haben wir uns nur so sehr voneinander entfernt. Wie nah waren wir uns früher! Keines Deiner Worte habe ich mir entgehen lassen. Aber nun sind wir geschieden. Es gibt keinen Weg zurück. Hast du denn vollkommen vergessen, wie es dem Volk geht? Es gibt keine Schulen für die Armen. Ausgebeutet werden sie durch die Großgrundbesitzer und den Adel und die geistlichen Herren. Ausgesaugt durch die Geldverleiher. Kranke können verrecken, wenn sie kein Geld haben. Gleichzeitig quellen die Kirchen über von goldenen Leuchtern und Reliquienschreinen, Kruzifixen und Messegeräten.

Karlstadt, dein Freund, hat es richtig verstanden: Er machte in Wittenberg die wahre Reformation. Raus mit den Bildern aus den Kirchen, eine neue Ordnung der Stadt, Bildung für das ganze Volk, eine für das Volk verständliche Deutsche Messe, Abschaffung der Klöster, Sorge für die Armen. Das war das richtige Programm. Aber ihn hast du zurückgepfiffen. Uns kannst du nicht zurückpfeifen.

Landsknecht Christi, nennen sie mich. Ja, das bin ich, wenn sie wollen auch mit Gewalt. Der Geist des Urchristentums muss wieder erweckt werden. Gott spricht nicht nur durch das Papier der Bibel zu uns, sondern auch direkt durch seinen Geist. Laien sollen unsere Pfarrer werden. Nur deutsche Lieder singen wir im Gottesdienst, nur deutsche Texte lesen wir, nicht lateinische. Ja, ja, das ging dir zu weit. Warum sagst du denn nicht einmal den Fürsten deine Meinung? Sie sind es doch, die die Menschen nötigen und schinden! Alle diese Herren müssen weg. Das Volk selbst soll die Gewalt haben. Und da sagst du, die Bauern sollten lieber Unrecht leiden, als Unrecht zu tun, weil Leiden, Leiden, Kreuz, Kreuz der Christen Recht ist und kein anderes?! Und du forderst die Fürsten auf: Steche, schlage, würge hier wer kann?! Mit der Faust – sagst du – muss man solchen Aufrührern antworten, dass der Schweiß zur Nase ausgehe. Es ist aus. Zwischen uns gibt es nichts mehr zu sagen. Und ich wünsche dir, dass das Blut der getöteten Bauern nicht bis zu Deinem seligen Ende auf Deinem Halse sein wird.

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