Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung zuzulassen." (69. These)

Panorama

Johannes Eck

„Ist er denn toll geworden, der kleine Mönch?“

Nach Staupitz, dem Freund, nun Dr. Johannes Eck, der erbitterte Gegner Luthers von Anfang bis Ende. Eck war keineswegs ein kleinkarierter Federfuchser, sondern ein hochgelehrter und hochgebildeter Professor der Theologie. So wie er mit Luther bei dem Leipziger Disput und bei den Wormser Religionsgesprächen stritt, so bringt er hier die päpstliche Position zur Sprache. Hören wir Johannes Eck, der die Bannbulle des Papstes nach Wittenberg überbrachte:

Glauben Sie mir, dieser Bann war nötig. Seinen Studenten ein paar aufmüpfige Sätze sagen – das mag ja noch angehen. Aber diese 95 Thesen, an einer Kirche angeschlagen und voller offener und versteckter Angriffe gegen den Heiligen Vater!? Kein Wunder, dass seine Studenten bald darauf Bücher verbrannt haben!  Und dann alle seine späteren Schriften. Sogar in deutsch – ekelhaft! Ich frage Sie: Ist er denn toll geworden, der kleine Mönch? Schon die Thesen hätten ausgereicht, ihn zu bannen. Und reif für den Scheiterhaufen machten ihn schon damals seine Worte: Auch der Papst steht nicht über, sondern unter dem Wort Gottes.

Wie kann er es wagen, die Autorität des Papstes anzugreifen? Für diesen Mönch scheint es überhaupt keine Autorität zu geben. Außer der Bibel selbst – welch ein merkwürdiger Gedanke für einen Christen, der die Tradition seiner Kirche liebt!
Lächerlich, dieser „Sermon von Ablass und Gnade“, in dem das Mönchlein Martinus uns weiszumachen sucht, nicht gute Werke würden helfen, sondern allein Gott, der umsonst verzeihe. Nun ja, ich gebe zu, der Tetzel übertreibt wohl ein wenig: Für spätere Missetaten sich schon hienieden die Lossprechung zu erkaufen, erscheint auch mir ein wenig übertrieben.

Aber was ist einzuwenden gegen einen ordentlichen Ablasshandel? Wie sollen wir wohl sonst den Petersdom zuende bauen? Wie sollen wir die Fugger bezahlen, wenn wir nicht dies Geld haben? Und ist es nicht ein gutes Werk zum Lobe Gottes und zur Freude der Gläubigen, diesen Dom zu errichten? Und – ein wenig tiefer gefragt: Ist es wirklich so, dass wahre Buße nur aus der Liebe zu Gott hervorgeht, wie Luther meint? Ist es denn nicht vielmehr so, dass die Heiligen einen Vorrat, ja einen Schatz an guten Taten angesammelt haben, den nun die Heilige Katholische Kirche verwaltet? Und ist es dann nicht eine gute und fürsorgliche Tat, den Sündern hieran Anteil zu geben? Vor allem: Sind nicht die Verdienste Christi unerschöpflich, so dass der Heilige Vater, Christi Stellvertreter, hiervon großzügig spenden darf?! Durch den Ablass? Ja, durch den Ablass! Damit werden die Menschen doch frei gemacht von all den drückenden Lasten der Fastenzeiten und Wallfahrten. Wie kann man das eine Gnade nennen, die billig durch Geld zu haben sei??

In der Bibel kannte er sich ja aus, der kleine Mönche, wie kein anderer. Aber über diesen Satz musste ich doch lachen. Denn die Tradition der Väter steht doch gleichberechtigt neben der Bibel. Auch Konzile können sich irren und haben geirrt. So hat dieser Ketzer gesagt. Das breitet sich nun aus wie ein Feuer in trockenem Gras: Die Schrift müsse aus sich selbst heraus verstanden werden  – ohne alle kirchliche Tradition. Sie stehe über der Kirche, auch über dem Konzil, ja über dem Heiligen Vater!

Wir hätten ihn früher bannen müssen.  Er hat schon allzu viele zu Ketzern gemacht. Ich frage mich, was sie alle daran finden: Allein die Schrift. Allein aus Gottes Gnade. Allein der Glaube an Christus. Genügt denn das?

Zurück zur Übersicht... Weiter mit Andreas Osiander...