Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Die Meinung, daß eine kirchliche Bußstrafe in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden könne, ist ein Unkraut, das offenbar gesät worden ist, während die Bischöfe schliefen." (11. These)

Panorama

Projektbeschreibung

Die Freie Reichsstadt Goslar gehört zu jenen Orten, in denen die Gedanken der Reformation frühzeitig Zuspruch fanden, aber auch konfliktreich innerhalb der dem katholischen Kaiser verpflichteten Stadtgesellschaft ausgetragen wurden. Unruhen unter der zum Teil der evangelischen Lehre zuneigenden Bevölkerung gab es schon Anfang der 20er Jahre. 1525 stellte die Bürgerschaft massive Forderungen an den Rat  „das Wort Gottes rein predigen zu lassen“.

Überlagert und verschärft wurden die Spannungen durch das Ringen der Stadt mit dem Braunschweiger Herzogshaus um die Rechte an der Ausbeutung des Rammelsberges. Als dieser seine Ansprüche 1527 durch die Belagerung Goslars durchsetzen wollte, zerstörten aufgebrachte Bürger die kirchlichen Einrichtungen vor den Toren der Stadt. Sie unterstellten deren Insassen, dem katholischen Herzog  aus eigenem Interesse „Unterschlupf“ und damit strategische Vorteile gewähren zu wollen. Durch den Anschluss an den evangelischen Schmalkaldischen Bund versuchte die Stadt, ihre Position gegenüber Herzog Heinrich dem Jüngeren zu verbessern. Mit dem Sieg der katholischen Seite musste die Stadt kapitulieren und 1552 alle Forderungen des Herzogs im Riechenberger Vertrag akzeptieren.

In den Archiven der Stadt und der Marktkirchengemeinde befinden sich Reformationsakten, Schriften Bugenhagens und Melanchtons und von Amsdorfs u. a. an den Rat der Stadt Goslar sowie Kirchenordnungen und Unterlagen zum Schmalkaldischen Bund. Diese sind nur teilweise aufgearbeitet. Als Hölscher die Geschichte der Reformation in der Stadt Goslar zu Beginn des vorigen Jahrhunderts  bearbeitete, waren viele der Archivalien noch nicht verzeichnet bzw. lagen noch nicht vor. Seine Geschichte fußt zudem auf einem unkritischen Umgang mit dem Quellenmaterial und beschränkt sich zudem auf die Unterlagen des Stadtarchivs. Gundmar Blumes Buch „Goslar und der Schmalkaldische Bund“ von 1969 konzentriert sich auf die Zeit dieses Bundes, stellt den Riechenberger Vertrag von 1552 nur in der Zusammenfassung vor und behandelt die Konsistorialordnung von 1555 sowie das Corpus Doctrinae Goslariensis von 1595 nicht.

Zur 500sten Wiederkehr von Luthers Thesenanschlag an die Schlosskirche von Wittenberg im Jahre 2017 hat es sich der Geschichtsverein Goslar e. V. zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der Reformation in der Reichsstadt Goslar von den Anfängen bis zur Konsistorialordnung von 1555 bzw. zum Abschluss der Reformation 1595 aufarbeiten zu lassen. Hierbei soll sowohl ein Beitrag zur Stadt-, Kirchen- und Profangeschichte in Goslar, als auch zur Reformgeschichtsschreibung entstehen. Die Auseinandersetzungen Goslars mit Heinrich dem Jüngeren um die Rechte am Rammelsberg, die die Stadt in das Lager der protestantischen Bundesgenossen führte, bedürfen noch der genaueren Deutung hinsichtlich des Zusammenhangs von politischer Strategie und spiritueller Neuorientierung.

Als Bearbeiter der Geschichte der Reformation in der Reichsstadt Goslar konnte der Geschichtsverein Goslar den Experten Dr. theol. Friedrich Seven gewinnen. Herr Seven studierte in Göttingen Evangelische Theologie, wirkte am Editionsprojekt „Sehling, die evangelische Kirchenordnung des 16. Jahrhunderts“ mit und verfasste seither verschiedene Publikationen u.a. zur Reformation in Goslar. Seit 1983 ist er Pastor in Scharzfeld am Harz.

Die Geschichte der Reformation in der Reichsstadt Goslar soll die folgenden Kapitel umfassen:

  1. Die besonderen Voraussetzungen der Reformation in Goslar
  2. Die Anfänge der Reformation Goslar (1525)
  3. Die Einführung der Reformation in Goslar
  4. Spannungen zwischen Rat und Gemeinden
  5. Goslars Eintritt in den Schmalkaldischen Bund und die Kirchenordnung von 1531
  6. Die Konsolidierung der Reformation unter Superintendent Eberhard Widensee und Goslars Position im Schmalkaldischen Bund
  7. Verlust des Rammelsberges und Abschluss des Reformationswerkes (bis 1595)
  8. Die Reformationsgeschichte Goslars als ein kirchengeschichtlicher Beitrag zur Stadtgeschichte und zum Verhältnis von Stadt und Reformation

Der Schwerpunkt der Bearbeitung wird in der Auswertung der Quellen, insbesondere des Stadtarchivs Goslar, liegen. Darüber hinaus ist die Einbeziehung der Forschungsliteratur zum Verhältnis von Stadt und Reformation vorgesehen.

Als Erscheinungsjahr der Arbeit wird das Jahr 2016 angestrebt.

Weitere Informationen zur Arbeit des Geschichtsvereins Goslar finden Sie auf www.geschichtsvereingoslar.de