Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung zuzulassen." (69. These)

St. Stephani„Ist das eine katholische Kirche?“ Diese Frage stellen Besucher oft, wenn sie in die lichtdurchflutete Kirche mit der großen barocken Altarwand treten. "Barock" verbindet man zu leicht mit dem Katholizismus Süddeutschlands.

„Nein, das ist eine evangelische Kirche und sie wurde auch als evangelische Kirche gebaut und ausgestattet“, so antwortet dann jemand aus der Gruppe „Offene Kirche St. Stephani“. Und er könnte so fortfahren: Natürlich war die alte Stephanikirche, die 1728 bei einem furchtbaren Stadtbrand bis auf die Grundmauern zerstört wurde, ursprünglich eine katholische Kirche wie alle Kirchen vor der Reformation. Die nach dem Brand neu errichtete und 1734 eingeweihte Kirche jedoch war von Anfang an evangelisch.

Dann könnte sich der Tourist erklären lassen, woran man erkennen kann, ob man sich in einer katholischen oder evangelischen Kirche befinde. Er würde dann auch erfahren, dass schon elf Jahre nach Luthers Thesenanschlag 1528 der erste lutherische Pfarrer seinen Dienst in der Stephanikirche von Goslar antrat. Es war Antonius Corvinus, der zuvor wegen seiner Abkehr von der katholischen Lehre das Kloster Riddagshausen bei Braunschweig verlassen musste. Er genoss das Vertrauen des Braunschweiger Reformators und Freundes Luthers Johann Bugenhagen ebenso wie das der Goslarer Bürger. Man sandte ihn mit dem ersten lutherischen Pfarrer der Jakobigemeinde, Johannes Schulten, zu Luther nach Wittenberg, um diesem Aufklärung über die Zustände in Goslar zu geben.

Die St. Stephanikirche ist nach der Winterpause wieder regelmäßig geöffnet:
am Montag von 11-12.30 Uhr, am Dienstag und Mittwoch 15-16.30 Uhr,
am Freitag und Samstag 11-12.30 Uhr und 15-16.30 Uhr, am Sonntag 10.30-12 Uhr und 15-16.30 Uhr.

Christin Wiesjahn