Die 95 Thesen von Martin Luther:
"Offenbar ist es auch weder durch Vernunft- noch Schriftgründe erwiesen, daß sie sich außerhalb des Zustandes befinden, in dem sie Verdienste erwerben können oder in dem die Liebe zunehmen kann." (18. These)

Prof. Dr. Dr. Margot Käßmann, © Monika Lawrenz2017 jährt sich zum 500. Mal der so genannte Thesenanschlag in Wittenberg, der historisch so wohl nicht stattgefunden hat. Aber diese Thesen, die die Ablasspraxis der Kirche anprangerten, gelten als Auftakt für das vielfältige Geschehen, das unter dem Begriff „Reformation“ zusammengefasst wird. 1517 ist ein somit gewichtiges Symboldatum. Und klar ist: Luther war nicht der einzige Reformator. Aber Martin Luther bleibt die Symbolfigur der Reformation. So können wir 2017 in der Tat feiern.

Reformationsjubiläen haben sich immer als Spiegel ihrer Zeit erwiesen. Der Deutsche Bundestag hat erklärt, es handle sich um ein „Ereignis von Weltrang“. Auf dem Weg dorthin ist es gut, dass wir neben all den notwendigen, aber auch belastenden Struktur- und Finanzdebatten, reformatorische Themen bedenken, Glaubensfragen miteinander beraten. Reformation und Toleranz – was sind die Schatten der Reformation etwa mit Blick auf unser Verhältnis zum Judentum. Reformation und Musik – wie können wir dieses wunderbare Erbe heute umsetzen. Reformation und die Eine Welt – was bedeutet es, Kirche zu sein über nationale und kulturelle Grenzen hinweg. Wie feiern wir als Evangelische in ökumenischer Verbundenheit und in einer säkularen Gesellschaft? Ja, wir werden kein deutsches Lutherjubiläum mit protestantischer Selbstvergewisserung, sondern ein internationales Fest des Glaubens mit protestantischem Selbstbewusstsein und ökumenischer Weite.

Vor allem geht es um Glaubensfreude und die Sprache des Glaubens. Da bleibt bei allen seinen Schattenseiten Martin Luther Vorbild. Er schrieb: „Gott hat unser Herz und Gemüt durch seinen lieben Sohn fröhlich gemacht … . Wer dies mit Ernst glaubt, der kann es nicht lassen: Er muss fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, damit andere es auch hören und herzukommen.“ Darum geht es, in der Tat.


Ich wünsche der Propstei Goslar viel Freude bei der Vorbereitung auf das Jubiläum hin,


Ihre Margot Käßmann
Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands zum Reformationsjubiläum 2017